Vom Bett zum Mixer: Den Schweinehund K.O. geschlagen

Vom Bett zum Mixer: Den Schweinehund K.O. geschlagen

Ich bin jetzt einfach zu müde, um aufzustehen. Nein… Gummistiefel suchen, etwas über meine nur im Dunkeln ansehnliche Schlafklamotte ziehen und wenigstens die zerzausten Haare zusammenknoten. Dann in den Garten gehen, nach Brennnesseln suchen, sie von kleinen Insekten befreien, im kalten Wasser waschen, um sie dann mit der Gabel möglichst ohne lästige Verbrennungen in den Mixer zu befördern. Wenn das nicht schon genug wäre, muss der Rest der Zutaten ja auch noch gewaschen und vorbereitet werden. Und wer macht den Mixer sauber? Nee, ich nicht. Das macht auch keinen Spaß. Nein, dazu bin ich im Moment einfach nicht bereit, nicht jetzt, später vielleicht. Das Bett ist so warm und kuschelig…

Es ist schon verrückt. Manchmal führe ich Dialoge mit mir selbst, obwohl ich in dieser Zeit schon längst die Sache hätte erledigen können. Aber der innere Widerstand mit dem Namen Schweinehund ist manchmal einfach zu stark. Heute jedoch passierte etwas mit mir, es hat Klick gemacht. Ich habe verstanden, wie ich ticke oder besser gesagt, wie ich meinen Kopf austricksen kann. Und es hat funktioniert. Ich wollte wieder regelmäßig grüne Smoothies zubereiten und vor allem Wildkräuter aus dem Garten verwenden. Brennnesseln, Löwenzahn, Gänseblümchen… was sich so findet. Aber ich fand bis jetzt immer irgendwelche Ausreden, die mir das Leben schwer gemacht haben.

Der Trick ist, auf jede Ausrede vorbereitet zu sein. Im Vorfeld. Schließlich sitze ich an der Quelle und weiß, was der Kopf sich so einfallen lässt. Mein Ziel war es also, gesund zu frühstücken. Ich hasse es aber, Gemüse zu waschen, vor allem Blätter – die auch noch mit Brennhaaren versehen sind. Das Argument, dass Brennnesseln wahre Vitaminbomben sind, zog also nicht. Ich schaute mir meine Ausreden genauer an und merkte, dass es mir nur einfach schwerfiel, meine Komfortzone zu verlassen. Ich suchte also die Gummistiefel am Abend und stellte sie vor die Tür. Eine Regenjacke hing daneben. Sie ist lang genug, ich könnte sogar theoretisch einen Einhornpyjama darunter tragen. Ich machte mir klar, dass es keine 15 Minuten dauern würde, bis ich einen frisch duftenden und super gesunden, grünen Smoothie in der Hand hielte. Sind mir 15 Minuten wirklich zu schade für meine Gesundheit? Für meinen Körper? Vielleicht will ja meine Tochter auch was davon. Bei diesem Gedanken hüpfte mein neues Ich und verschaffte mir zusätzlich eine Portion Motivation – schließlich will ich, dass sie was Ordentliches isst. Und schließlich bin ich ein wichtiges Vorbild für sie! Ich stellte mir einen Timer, um mir selbst zu beweisen, dass ich schnell sein kann. Also los! Es hat keine 15 Minuten gedauert. Bereits nach 13 Minuten und 36 Sekunden löffelte ich meinen grünen Smoothie und grinste zufrieden vor mich hin. Jetzt, wo ich weiß, wie mein Schweinehund tickt, fühle ich mich nicht mehr so ausgeliefert. Ich weiß nicht, was besser ist – das Gefühl, stolz auf mich zu sein, es durchgezogen zu haben oder den grünen Smoothie zum Frühstück zu genießen.

Autorin: Lisa Marie Albrecht
Datum: 09.06.2024

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Es gibt so viel und so wenig zu sagen Über lästige Wehwehchen, Luxus-Essen, Drama im Kopf und Angst vor der 40 Mache ich mir als Mama wirklich zu viele Gedanken? Ich glaubte nicht daran, bis ich es selbst fühlte. Nervenprobe im Supermarkt Für Außenstehende ist es vielleicht lächerlich.